Informationen zur nuklearmedizinischen Gelenktherapie (=Radiosynoviorthese): www.vincentius-kliniken.de

Klinik für Nuklearmedizin

Informationen zur nuklearmedizinischen Gelenktherapie (=Radiosynoviorthese)

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient,

Sie wurden von Ihrer Ärztin / Ihrem Arzt hierher überwiesen, damit geprüft wird, ob bei Ihnen eine nuklearmedizinische Gelenkbehandlung (Radiosynoviorthese) sinnvoll ist.
Diese Information soll Ihnen einen Überblick über Voruntersuchungen und die Behandlung geben.

1. Vorsorgeuntersuchung

Zur Überprüfung der Indikation und zur Planung der Radiosynoviorthese ist eventuell eine Gelenkszintigraphie erforderlich, die in Form der so genannten Weichteilszintigraphie der Gelenke (auch "Entzündungsszintigraphie" genannt) durchgeführt wird. Mit dieser Methode können Gelenkentzündungen hochempfindlich nachgewiesen werden, oft sogar schon Monate vor Beginn spürbarer Beschwerden und röntgenologisch sichtbaren Veränderungen. Diese Untersuchung kann vor allem bei Gelenkverschleiß (Arthrose) wichtig sein: Damit kann am besten zwischen entzündlicher (Arthritis) und knöchern- degenerativer (Arthrose) Komponente unterschieden werden.

Vorgehen:
Für diese Untersuchung bekommen Sie eine intravenöse Injektion einer radioaktiv markierten Substanz, die eine nur minimale Strahlenbelastung bedeutet. Nach einigen Minuten werden dann mit einer Gammakamera Aufnahmen (Szintigramme) von den erkrankten Gelenken angefertigt.

2. Die Radiosynoviorthese (nuklearmedizinische Gelenktherapie)

Radiosynoviorthese bedeutet: Wiederherstellung / Erneuerung (Orthese) der Gelenkschleimhaut (Synovia) mit Hilfe von radioaktiven Nukliden. Sie ist eine sehr wirksame Methode, die bei schmerzhaften entzündlichen Gelenkerkrankungen bedingt durch eine Entzündung der Gelenkschleimhaut (Synovialitis) schon seit über 2 Jahrzehnten eingesetzt wird. Die Gelenkschleimhaut wuchert oft grotesk korallenartig, zerstört dabei den Knorpel, dringt in den Knochen ein, zerreißt Bänder und Sehnen und kann in unterschiedlich raschem Fortschreiten zu schweren Gelenkzerstörungen führen. Zur medikamentösen Behandlung werden mehr oder weniger toxische (giftige) Substanzen eingesetzt, die sämtlich Nebenwirkungen haben können. Meist bleibt jedoch nichts anderes übrig, als den zerstörerischen  Prozess etwas Einhalt zu gebieten. Manchmal sind auch operative Eingriffe erforderlich. Sind ein oder wenige Gelenke besonders intensiv betroffen, empfiehlt es sich, die Radiosynoviorthese frühzeitig einzusetzen, möglichst, bevor schon Gelenkzerstörungen eingetreten sind.

In ein erkranktes Gelenk wird mit Hilfe einer einfachen Punktion ein radioaktiver Stoff injiziert (gespritzt):

große Gelenke (Kniegelenk)
Yttrium - 90
mittlere Gelenke (Schulter-, Ellbogen-,Hand-, Hüft-, Sprunggelenke u.a.)
Rhenium - 186
kleine Gelenke (Finger- und Zehengelenke)
Erbium 169

Bei diesen drei Stoffen handelt es sich um sogenannten Beta-Strahler.

Diese Strahlen haben eine sehr kurze Reichweite von ½ bis 4 Millimeter. Nach der Injektion in das Gelenk kommt es zu einer gleichmäßigen Verteilung in der Gelenkflüssigkeit. Die Stoffe, gebunden an winzige Partikel, werden von den oberflächlichen Zellen der kranken Gelenkschleimhaut aufgenommen, so dass sich die erwünschte Wirkung dieser radioaktiven Substanz an der Oberfläche der kranken Gelenkschleimhaut abspielt. Im Laufe der nächsten Zeit kommt es zu einer allmählichen lederartigen Verschorfung der Schleimhautoberfläche mit Abnahme der Schleimhautschwellung. Dabei werden feinste Kanälchen verschlossen, aus denen Ergussflüssigkeit ins Gelenk drang, und auch die feinsten Nervenendigungen ausgeschaltet, so dass der Schmerz vermindert oder beseitigt und die Gelenkfunktion verbessert wird.

Die Wirkung tritt allmählich ein, manchmal schon nach wenigen Tagen, in manchen Fällen auch erst nach Wochen oder Monaten. Die endgültige Wirkung lässt sich erst nach etwa 6 Monaten beurteilen.

3. Durchführung der Radiosynoviorthese

Das für Sie benötigte radioaktive Präparat muss bestellt werden und ist nur an bestimmten Tagen lieferbar. Da die für Sie bestellte kostspielige Substanz immer frisch verbraucht werden muss, ist es wichtig, dass Sie den vereinbarten Termin unbedingt einhalten, oder aber spätestens eine Woche vorher absagen.
Die Haut über dem Gelenk wird desinfiziert. Dann wird unter sterilen Bedingungen mit einer dünnen Nadel eine Lokalanästhesie (örtliche Betäubung) und gleichzeitig eine Punktion des Gelenkes vorgenommen, meist unter Durchleuchtung, oft mit Kontrastmittel Darstellung des Gelenkes. Ist ein Erguss vorhanden, wird er zum größten Teil abpunktiert. Die für Sie vorbereitete radioaktive Substanz wird ins Gelenk injiziert, die Nadel herausgezogen, die Punktionsstelle noch etwas abgedrückt.

Wichtig:
Nach der Radiosynoviorthese müssen behandelte Gelenke für gut 48 Stunden unbedingt ruhig gestellt werden. Nach Behandlung von Gelenken im Bereich der Beine ist nur der Toilettengang erlaubt. Deswegen sollten Sie für die Behandlung Krücken mitbringen. Wir stellen Ihnen gerne auch diesbezüglich eine Rezept aus. Werden Knie-, Sprung- oder Zehengelenke behandelt, werden Sie nach der Behandlung mit einem Rollstuhl zum Auto oder einem Taxi gebracht. Nach einer Radiosynoviorthese sollten Sie nicht selbst das Auto steuern, da sonst die erforderliche Ruhigstellung nicht gewährleistet ist. Eine weitere Woche lang sollte das Gelenk noch etwas geschont werden.

Gibt es mögliche Nachteile der Radiosynoviorthese?
Wichtig ist, dass die radioaktive Substanz absolut in die Gelenkhöhle injiziert wird, damit gesundes Gewebe nicht zerstört wird. Deshalb wird unmittelbar vor der Injektion der radioaktiven Substanz (mit einigen Ausnahmen) eine Durchleuchtung mit röntgendichtem Kontrastmittel durchgeführt, um die korrekte Position der Nadel im Gelenk zu überprüfen.

Jede Wirkung kann prinzipiell mit Nebenwirkungen verbunden sein. In wenigen Prozent der Fälle kann es in den ersten Tagen zu einer sogenannten Strahlen-Synovialitis (Strahlengelenkhautentzündung) kommen, die sich in einem Reizerguss äußern kann. Dann ist z.B. das Kniegelenk etwas geschwollen (mitunter sogar mehr als vorher) und manchmal überwärmt. Es kann sich ein Kribbeln oder Stechen im Kniegelenk einstellen. Mit kalten Umschlägen oder einer Eismanschette ist diese vorübergehende Erscheinung meistens gut zu lindern. Auch die absolute Ruhigstellung des behandelten Gelenkes hilft, den Erguss zu vermeiden.

Wie ist die Strahlenbelastung?
Die Strahlenbelastung beschränkt sich ausschließlich auf die kranke Gelenkschleimhaut die ja erklärtermaßen Zielobjekt ist. Aus einer schmerzhaft entzündlich verdickten Schleimhaut soll eine eher schwartenartige, unempfindliche Schleimhaut werden.

Das angrenzende Gewebe wird nicht geschädigt. Wegen der sehr kurzen Reichweite der Strahlung und der Tatsache, dass die Substanzen in der Gelenkhöhle verbleiben und nicht über das Blut abtransportiert oder im Urin ausgeschieden werden, werden gelenkferne Körpergegenden überhaupt nicht betroffen. Dies ist auch der Grund, weshalb diese Behandlung ambulant und im Anschluss daran ohne jegliche Strahlenschutzmaßnahme für den Patienten oder seiner Umgebung durchgeführt werden kann.

Was sind die Vorteile der Radiosynoviorthese?
Eine Rehabilitation, wie nach einer Operation ist nicht notwendig. Die Therapie ist auch für Patienten mit sehr hohem Operationsrisiko möglich. Mehrere Gelenke können gleichzeitig oder in kürzeren Zeitabständen behandelt werden. Bei nicht ausreichender Wirksamkeit kann die Therapie ohne weiteres wiederholt werden. Dies kann z.B. bei schon weit fortgeschrittenen krankhaften Veränderungen erforderlich sein.
Weitere Fragen werden wir mit Ihnen gerne ausführlich besprechen.