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Innere Medizin mit Schwerpunkt Pneumologie

Schlaflabor

Geschichte des Schlaflabors an den St.  Vincentius-Kliniken Karlsruhe
Die Schlafmedizin spielt in der Lungenheilkunde heute eine wichtige Rolle, da schlafbezogene Atemstörungen sehr häufig sind. Nach der Gründung der Pneumologie an den St. Vincentius-Kliniken Karlsruhe 1989 bestand deshalb auch bald eine große Nachfrage nach Diagnostik und Behandlung dieser Krankheitsbilder. Das zunächst angeschaffte mobile Ein- Patient- Meßsystem ließ eine Basisbetreuung der Patienten zu, war aber nach kurzer Zeit trotz Nachrüstung völlig überlastet. Trotz der momentan für die Krankenhäuser schwierigen Finanzlage wurde der Antrag auf Schaffung eines kompletten Schlaflabors befürwortet.

Zeittafel
07.1989 Gründung der Abteilung Pneumologie
12.1991 Beginn der Schlafdiagnostik mit einem tragbaren System zur Erfassung der Atemmechanik  auf Station (Poly- G)
09.1993 Erweiterung der Messtechnik um die Elektrophysiologie (Sleep- IT)
10.1995 Inbetriebnahme eines Schlaflabors mit zwei Polysomnographen
09.1998 Akkreditierung als Schlafzentrum der DGSM
05.2010 Erweiterung des Schlaflabors auf vier Polysomnographen

Welche Krankheiten werden in einem Schlaflabor untersucht und behandelt und wie funktioniert ein Schlaflabor?

Allgemeines:
Ein gestörter oder nicht erholsamer Schlaf ist ein sehr häufiges Phänomen - nahezu jeder zweite klagt darüber. Ein modernes Schlaflabor erstellt eine präzise Analyse des Schlafablaufes, um so die zahllosen Ursachen von Schlafstörungen zu untersuchen. Am häufigsten sind nächtliche Atemstörungen Ursache eines schlechten Schlafes.

Schnarchen und Schlafapnoe- Syndrom
Schnarchen ist ein oft harmloses, wenn auch für den Schlafpartner nervtötendes Geräusch auf dem Boden von Schwingungen der Weichteile oberhalb des Kehlkopfes. Schnarchen kann aber auch Hinweis auf eine schwerwiegende Erkrankung, ein sogenanntes Schlafapnoe- Syndrom, sein, wenn es als Folge eines Atemwegsverschlusses im Bereich des Mund- und Rachenraumes entsteht. Schnarchen nimmt mit zunehmendem Alter zu: So tritt es bei 60% der Männer und 40% der Frauen über 60 Jahre auf.
Nun haben glücklicherweise nicht alle schnarchenden Menschen ein Schlafapnoe- Syndrom, obwohl es durchaus nicht selten ist: Man schätzt, dass etwa 4% der männlichen und 2% der weiblichen erwachsenen Bevölkerung davon betroffen sind.

Was ist ein Schlafapnoe- Syndrom?
Man spricht von Apnoe, wenn die Atmung länger als 10 Sekunden aussetzt. Einzelne Apnoephasen gibt es auch beim Gesunden, besonders in der Einschlafphase. Aber auch im weiteren Schlafablauf sind wenige Atemaussetzer bis 10 Sekunden Dauer noch nicht krankhaft, insbesondere bei älteren Menschen. Wird aber eine gewisse Anzahl, etwa 5 pro Stunde, überschritten und kommt es dadurch zu einem Sauerstoffabfall im Blut, wird eine krankmachende Störung daraus und wir sprechen von einem Schlafapnoe- Syndrom.


Wie kommt es zu diesen Atempausen im Schlaf?
Der Schlaf ist ein sehr kompliziertes Geschehen und eine aktive Leistung unseres Gehirnes. Durch Hirnstrommessung, das EEG, können wir unterschiedliche Schlafstadien unterscheiden: Es gibt den oberflächlichen Schlaf, den Tiefschlaf und den Traumschlaf. Wir wissen, dass der Schlaf zur körperlichen und geistigen Erholung unerlässlich ist - ohne ihn wären wir nicht lebensfähig. Dabei sind Tiefschlaf und Traumschlaf besonders wichtig.  Atem- und Kreislauftätigkeit werden im Schlaf im Rahmen des Erholungsprozesses "heruntergeregelt". Diese geringere Atemaktivität im Schlaf ist für den gesunden Menschen kein Problem - wohl aber für den Patienten mit einem Schlafapnoe- Syndrom. Insbesondere im oberflächlichen Schlaf kommt es zu einer kritischen Störung der Atemregulation - die Atmung bricht ab. Dabei fällt entweder die Atemaktivität völlig aus ("zentrale Apnoe") oder, häufiger, die oberen Atemwege im Mund-Rachen-Bereich verschließen sich ("obstruktive Apnoe"). Es kommen auch beide Formen beim gleichen Patienten vor.  Folge der Apnoe ist ein Sauerstoffmangel, der nach einer gewissen Zeit zu einer körpereigenen Alarmreaktion führt: Es kommt zu einem Wecksignal, der Schlaf wird unterbrochen. Bei Patienten mit der obstruktiven Apnoe treten in dieser Phase  laute, schnarchende Geräusche auf. Da  man nur über den oberflächlichen in den wichtigen Tief- und Traumschlaf gelangt, werden diese Schlafstadien kaum noch erreicht - man spricht von einer gestörten Schlafarchitektur.

Welche Auswirkungen hat ein Schlafapnoe- Syndrom?
Die Patienten zeigen meist auffällige Störungen geistiger und körperlicher Funktionen: Unausgeschlafenheit am Morgen begleitet von Kopfschmerzen, extreme Müdigkeit am Tage mit zwanghaftem Einnicken (die Patienten verursachen überdurchschnittlich häufig Verkehrsunfälle!), Konzentrationsstörungen und depressive Stimmungslagen beschreiben die geistigen Symptome. Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Einbussen in der männlichen Potenz und vermehrte Schlaganfälle sind häufige körperlichen Folgen.

Wann muß ich an ein Schlafapnoe- Syndrom denken?
Die Mehrzahl der Patienten ist übergewichtig, schnarcht und hat einen hohen Blutdruck. Die extreme Tagesmüdigkeit ist ein sehr wichtiges Symptom. Häufig sind es die Ehepartner, die auf einer Untersuchung des Bettgenossen bestehen, weil sie aus Angst vor einem überlangen Atemstillstand gleichsam Nachtwache halten und dadurch selbst keine Ruhe mehr finden.

Was ist ein Schlaflabor und was wird dort analysiert?
Besteht der Verdacht auf ein Schlafapnoe- Syndrom, so werden in der Regel zunächst ambulante Voruntersuchungen beim Lungenfacharzt oder Neurologen durchgeführt, um den Verdacht zu erhärten. Hierzu dienen spezielle Fragebögen und Kleinmessgeräte. Bestätigen sich hierbei die Verdachtsmomente, erfolgt die Diagnosesicherung und Behandlungseinleitung im Schlaflabor in der Klinik.
Es handelt sich dabei um einen Schlafraum, der die kontinuierliche Überwachung und Aufzeichnung der Atem- Hirn- und Herzaktivität erlaubt. Die baulichen Voraussetzungen eines solchen Messraumes sind beträchtlich: Er muss elektrisch isoliert sein, damit die Messströme nicht gestört werden, er muss schallgedämpft, abzudunkeln und klimatisiert sein. Um die Bewegungen und Geräusche des Patienten zu überwachen und aufzuzeichnen, sind eine Infrarotvideoanlage, die auch "im Dunkeln sieht" und eine Gegensprechanlage erforderlich.  Zur Aufzeichnung der Hirnströme, der Atem- und Kreislaufaktivität dient eine sehr leistungsfähige Computeranlage, die in dem an das Schlaflabor angrenzenden Schaltraum untergebracht ist. Dort werden die Messkurven an den Monitoren von einer Nachtwache kontrolliert und gegebenenfalls korrigiert.
Bislang war nur von einem immensen apparativen Aufwand die Rede: Die Apparate laufen nicht von alleine. Ohne den Menschen, der die Messtechnik die ganze Nacht durch überwacht und korrigiert, ist das Schlaflabor nicht funktionsfähig!

Wie läuft bei uns eine Nacht im Schlaflabor ab?
Wir verfügen in den St.- Vincentius- Kliniken über ein Schlaflabor mit vier Messplätzen.
Die Mehrzahl der Patienten wird unter ambulanten Bedingungen untersucht. Voruntersuchungen wie etwa Schilddrüsenlabor, Herzfunktion, HNO- Befund und ein sogenanntes Schlafscreening - eine Schlafmessung zu Hause über einen Schlafspezialisten in der Praxis - sind wichtig und werden im Verlauf eines Vorgespräches bewertet.
Manche Patienten, insbesondere bei schweren Begleiterkrankungen, werden für die Messung stationär aufgenommen. 
Am Abend der Messung geht der Patient etwa eine Stunde vor dem Schlafengehen, ca. 21.00, mit seiner gewohnten Schlafkleidung in das Schlaflabor. Dort erfolgt dann die "Verkabelung", das Anschließen der Messelektroden und der Messfühler .  Hierzu werden am Kopf mehrere kleine Klebeelektroden zur Erfassung der Hirnströme, (EEG) und der Muskelströme (EMG) angebracht. An Mund und Nase kleben wir Sensoren zur Erfassung des Atemflusses. Um Brust und Bauch werden Dehnungsmesser gelegt, um die Atembewegungen aufzuzeichnen. Weiterhin benötigen wir noch Klebeelektroden an der Brust zur Herzstromregistrierung (EKG) und schließlich eine wäscheklammerähnliche Messsonde am Finger zur Erfassung des Sauerstoffgehaltes im Blut. Keine Angst, hier fließt kein Blut, sondern wir arbeiten mit einer harmlosen Leuchtdiode.
Oft hören wir vor den Messungen, dass an Schlaf angesichts der vielen Messapparate doch wohl nicht zu denken sei. Aber die leichten Elektroden und dünnen Kabel stören weniger, als man glaubt. Die freundliche Nachtwache und die angenehme Ausgestaltung der Schlafräume, die in Nichts an ein "Labor" erinnert, tun ihr übriges.
In der Regel endet die Aufzeichnung gegen 6.00. Die Patienten können sich noch in der großzügigen Nasszelle neben dem Schaltraum die letzten Reste der Elektrodenpaste vom Körper duschen.

Was geschieht mit den vielen Messdaten?
Obwohl mit Hilfe der Computertechnik eine Vorauswertung der Schlafdaten erfolgt, kann ein Computerprogramm den Arzt (zum Glück) nicht ersetzen. Erst nach einer zeitaufwändigen visuellen Bewertung der Signale wissen wir: Haben wir es mit einem Schlafapnoe- Syndrom zu tun? Liegt eine andere Form der Schlafstörung vor? Brauchen wir eine weitere Messnacht zur Klärung? Wie sehen die Behandlungsmöglichkeiten aus?

Ein Wort zur Therapie
Beim Schlafapnoe- Syndrom liegen fast immer sogenannte Risikofaktoren vor wie Übergewicht, Alkoholgenus in den letzten 2 Stunden vor dem Schlafengehen, aber auch anatomische Veränderungen im Hals- Nasen - Rachenraum. Oft hilft eine Korrektur dieser Punkte schon weiter. Bei schweren Fällen muss aber meist eine sogenannte CPAP (Continuous-Positive-Airway-Pressure)- Behandlung eingeleitet werden. Darunter versteht man eine spezielle Form der Beatmung über eine weiche Nasenmaske, durch die mit sanftem Druck Luft in die oberen Atemwege geblasen wird, damit der Atemwegsverschluss verhindert wird . Eine derartige Behandlung kann nur im Schlaflabor begonnen werden, um den richtigen Druck herauszufinden. Man hält es als Gesunder kaum für möglich, aber diese Behandlung ist für viele Patienten wie eine Erlösung und sie geben an, "sich wie neu geboren zu fühlen".