Die Abteilung stellt sich vor: www.vincentius-kliniken.de

Medizinische Klinik 2 mit Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie, Immunologie, Palliativmeidzin

Die Medizinische Klinik 2 – Hämatologie, Onkologie, Immunologie, Palliativmedizin stellt sich vor

Die Medizinische Klinik 2 entstand im Jahre 1983 durch eine Aufgliederung der Medizinischen Klinik. Professor Dr. Harald Theml wurde als weiterer Chefarzt an die Medizinische Klinik der St. Vincentius-Kliniken berufen mit der Aufgabe, den raschen Fortschritt auf dem Gebiet der Hämatologie (Blutkrankheiten) und Onkologie (Krebskrankheiten) für die Patienten unserer Krankenhäuser besser verfügbar zu machen. Herr Professor Theml war hierfür bestens vorbereitet. Nach dem Medizinstudium in Tübingen, Düsseldorf und München war er zuerst Assistent und später Oberarzt am Städtischen Krankenhaus München/Schwabing. Er war Facharzt für Innere Medizin mit der Teilgebietsbezeichnung Hämatologie und seit 1984 außerplanmäßiger Professor an der Technischen Universität München. 1996 entschloss sich Herr Professor Theml, seine ärztliche Tätigkeit als niedergelassener Arzt in München fortzusetzen.

Sein Nachfolger wurde Professor Dr. Jörg Mezger, der seine Ausbildung in Stuttgart, Freiburg, Konstanz und München erhalten hatte und danach Oberarzt an den Städtischen Kliniken Wuppertal und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn war. Professor Mezger ist Facharzt für Innere Medizin, spezialisiert im Teilgebiet Hämatologie/internistische Onkologie und zusätzlich in Bluttransfusionswesen und Immunologie.

In der Abteilung sind vier Oberärzte tätig. Frau Dr. Martina Gnadler, Herr Dr. Michael Schatz und Herr Dr. Finn Lübben und Herr Alexander Kolov sind Fachärzte für Innere Medizin mit der Teilgebietsbezeichnung Hämatologie/Internistische Onkologie. Herr Dr. Schatz ist derzeit schwerpunktmäßig für die Diagnostik in der hämatologisch-onkologischen Ambulanz verantwortlich. In der Abteilung arbeiten zehn Assistenzärztinnen bzw. –ärzte. In 10 Einzel-, 15 Zweibett- und 3 Dreibett-Zimmern auf den Stationen A1 und M6 sowie der gemeinsamen Intensivstation der Medizinischen Klinik stehen insgesamt 49 Betten zur Verfügung.

Ambulanz

Ein wichtiger Tätigkeitsschwerpunkt der Abteilung ist die hämatologisch-onkologische Ambulanz, in der unter der Leitung von Professor Mezger und Oberarzt Dr. Schatz zwei Assistenzärzte und fünf Krankenschwestern und Arzthelferinnen arbeiten. Aufgabengebiete dieser Ambulanz sind die Diagnostik und Therapie von hämatologischen und onkologischen Erkrankungen sowohl gutartiger als auch bösartiger Natur, z. B. Anämie (Blutarmut), Leukopenie (Mangel an weißen Blutkörperchen), Thrombopenie (Mangel an Blutplättchen), Lymphknotenschwellungen und Krebserkrankungen. Außerdem werden hier Störungen der Blutgerinnung (Blutungsneigung, Gerinnselbildungen) und des Immunsystems diagnostiziert und behandelt. In der Ambulanz werden im Jahr etwa 2.500 Patienten betreut. Es werden etwa 4.000 Chemotherapie-Zyklen, 300 Knochenmarkuntersuchungen und 30 Lymphknotenpunktionen durchgeführt.

Transfusionsmedizin, Labordiagnostik

Mit der Medizinischen Klinik 2 personell verbunden ist das Zentrallabor. Professor Mezger ist einer der beiden ärztlichen Leiter des Zentrallabors und hier verantwortlich für die Aufgabengebiete Hämatologie/Hämostaseologie (Blutgerinnung) und Bluttransfusionswesen. Außerdem ist er transfusionsverantwortlicher Arzt der St. Vincentius-Kliniken und Vorsitzender der Transfusionskommission. Im Institut für Labordiagnostik werden im Jahr etwa 6.700 Bluttransfusionen vorbereitet und 1.200 Knochenmark-, Lymphknoten-, Aszites-, Pleura- und Organpunktate aus den St. Vincentius-Kliniken, aus auswärtigen einsendenden Kliniken sowie von niedergelassenen Kollegen durch Ärztinnen und Ärzte der Medizinischen Klinik 2 untersucht und beurteilt.

Neue Wege der Krebsbehandlung

Besonders wichtig sind aber die Fortschritte auf dem Gebiet der Krebsbehandlung selbst. Diese betreffen zum einen die klassische Chemotherapie, also die Behandlung mit Zytostatika (Zellgiften). Kenntnisse über den Stoffwechsel von Krebszellen haben dazu geführt, dass diese Medikamente gezielter auf die Tumorzellen und weniger auf den übrigen, normalen Organismus einwirken. Dies ermöglicht eine Chemotherapie unter Erhalt einer akzeptablen Lebensqualität, und auch der therapeutische Erfolg wurde verbessert. Alleine durch eine Chemotherapie oder aber durch eine Chemotherapie verbunden mit einer Strahlentherapie sind heute Heilungen bei Leukämien (Blutkrebs), malignen Lymphomen (Lymphknotenkrebs), bestimmten Formen von Lungenkrebs, Eierstockkrebs, Hodenkrebs und Analkarzinomen (Krebs im Afterbereich) möglich. Bei anderen Krebserkrankungen kann eine adjuvante Chemotherapie (Nachbehandlung nach der Operation) das Risiko eines Rezidivs (Rückfalls) deutlich verringern, so zum Beispiel beim Darmkrebs, Magenkrebs, Brustkrebs oder Blasenkrebs. In manchen Fällen werden eine Chemotherapie und Strahlentherapie der Operation vorgeschaltet, um eine kleinere, schonendere und erfolgreichere Operation zu ermöglichen, so zum Beispiel bei manchen Formen von Lungen-, Brust- und Enddarmkrebs. Auch in fortgeschrittenen Krankheitsstadien können bei vielen bösartigen Erkrankungen die Lebenserwartung verlängert und Symptome gelindert werden.

Gezielte Krebstherapie

Durch ein besseres Verständnis der Entstehung von Tumorerkrankungen können gezielt Signalwege, die ein Wachstum der Tumorzellen fördern bzw. ein Absterben der Tumorzellen verhindern, gehemmt werden. Hierdurch ist eine gezieltere Behandlung von Tumorerkrankungen möglich. Oft haben gezielte Therapien weniger Nebenwirkungen als eine klassische Chemotherapie. Ein Paradebeispiel ist hierfür die Chronische Myeloische Leukämie, die durch Hemmstoffe der ABL-Tyrosinkinase  mittlerweile sehr gut behandelbar, vielleicht sogar heilbar geworden ist. Durch Hemmstoffe anderer Tyrosin-Kinasen können Erkrankungen, die bisher durch die klassische Chemotherapie nur schlecht beeinflussbar waren, nunmehr zurückgedrängt bzw. aufgehalten werden. Beispiel hierfür sind das Nierenzellkarzinom und das hepatozelluläre Karzinom (HCC). Abgesehen von einem direkten Angriff auf die Tumorzellen kann das Tumorwachstum auch durch Zerstörung der Blutversorgung des Tumorgewebes angegriffen werden. Beispiele hierfür sind Antikörper gegen den Gefäßwachstumsfaktor (VEGF).

Durch histologische bzw. genetische Analysen können Untergruppen von Tumorerkrankungen identifiziert werden. Dies erlaubt Patienten gezielter und zum Teil sehr erfolgreich zu behandeln. Beispiel hierfür sind z. B.  Mutationen des EGFR-Gens bzw. Veränderungen des ALK-Genes beim nicht-kleinzelligen  Lungenkrebs, vermehrte HER2neu Expression beim Brust- bzw. Magenkrebs. Diese Untersuchungen erfolgen entweder in unserer eigenen Pathologie oder in Kooperation mit spezialisierten Laboratorien und werden bereits routinemäßig in unserer Abteilung eingesetzt.

Schonendere Behandlungsverfahren

Therapeutische Fortschritte haben die Behandlung von Krebserkrankungen heute für den Patienten weniger unangenehm gemacht. Mit Hilfe der modernen Antiemetika kann die durch Chemotherapie verursachte Übelkeit weitgehend vermieden werden. Mit Hilfe von tragbaren Pumpensystemen können Chemotherapien in kleinste, eventuell über mehrere Tage oder gar Wochen verabreichte Portionen aufgeteilt und so verträglicher gemacht werden. Dies ermöglicht häufig eine ambulante Betreuung der Patienten, so dass lange Krankenhausaufenthalte verkürzt und andere gar vermieden werden können. Kleine, in örtlicher Betäubung implantierte Portsysteme (Hilfsmittel zur Herstellung eines Venenzugangs) ermöglichen eine schonende und insbesondere zuverlässige Infusionstherapie.

Kooperation

Bei vielen unserer Patienten benötigen wir eine sehr enge Zusammenarbeit verschiedener Teams: Station und Ambulanz, die vier der Medizinischen Kliniken sowie unsere Partner in den anderen Fachbereichen, d. h. in den operativen Fächern, im diagnostischen Bereich (Radiologie und Nuklearmedizin), die Strahlentherapie, die Pathologie und viele andere müssen kooperieren. Entscheidende Grundlage hierfür ist der gute konstruktive und patientenorientierte Stil der Vincentianer. Strukturiert wird die Kooperation durch regelmäßige Besprechungen, so zum Beispiel das interdisziplinäre Tumorboard, die gemeinsame Sprechstunde mit der Klinik für Strahlentherapie und radiologische Onkologie, und - in Zusammenarbeit mit dem Diakonissenkrankenhaus Karlsruhe-Rüppurr - die interdisziplinäre Brustkonferenz des kooperativen Brustzentrums Karlsruhe (KBK). Die St. Vincentius-Kliniken sind eines der drei Mitgliedskrankenhäuser des Onkologischen Schwerpunkts Karlsruhe. Eine besonders enge Verzahnung mit auswärtigen Kollegen besteht bei zwei Behandlungsmethoden, die nicht in den St. Vincentius-Kliniken durchgeführt werden, nämlich bei der Hochdosis-Chemotherapie und bei der allogenen Stammzelltransplantation. Diese beiden Behandlungsformen erfolgen meist in Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg und beim Plasmozytom in Zusammenarbeit mit der Universität Heidelberg. Hier sind die Kontakte, die das Vincenz als akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Freiburg hat, natürlich sehr hilfreich. Außerdem sind wir Mitglied des Kompetenznetzwerkes Akute Leukämien und des Kompetenznetzwerkes Maligne Lymphome.

Fortbildung

Die  Gebiete der  Hämatologie, Onkologie und Immunologie unterliegen heute sehr dynamischen und raschen Entwicklungen. Um immer auf der Höhe der Zeit zu sein und alle Fortschritte schnell dem Patienten zur Verfügung stellen zu können, bedienen wir uns nicht nur traditioneller Fortbildungsmöglichkeiten wie Vorträge, Kongresse und Zeitschriften, sonder nutzen auch Datenbanken, Expertensysteme und die Konsiliarangebote von Universitätskliniken durch das Internet. Außerdem sind wir durch Kooperationen und Studien in zahlreiche deutsche und internationale Forschergruppen eingebunden und beteiligen uns derzeit an Studien z.B. über akute und chronische Leukämien, Morbus Hodgkin, Non-Hodgkin-Lymphome, Bronchialkarzinom, Magenkarzinom, Darmkarzinom.
Bei der Auswahl dieser Studien achten wir streng darauf, dass sie von einer Ethikkommission geprüft und gut geheißen sind, und insbesondere dass sie unseren Patienten einen therapeutischen Fortschritt bieten können. Die Studien werden von speziell geschulten Studienärzten betreut. Zur Fortbildung der eigenen Mitarbeiter sowie von Kollegen anderer Kliniken und niedergelassener Ärzte werden regelmäßig Vorträge und Symposien organisiert, häufig in Zusammenarbeit mit dem Onkologischen Schwerpunkt Karlsruhe.

Psychosoziale Betreuung

Die Konfrontation mit bösartigen Erkrankungen und auch einigen anderen Erkrankungen des Blutes stellt für den Patienten eine schwere psychische Belastung dar. Hier  bemühen sich die Ärzte und Ärztinnen,  Schwestern und Pfleger, häufig in Zusammenarbeit mit dem Seelsorgeteam und dem Sozialdienst der St.Vincentius-Kliniken, in persönlichen Gesprächen zu helfen und zu stützen. Weiterhin steht ein Psychotherapeut als Konsiliararzt zur Verfügung.

Zukünftige Entwicklungen

Die Zukunft der Abteilung wird geprägt werden durch eine Zunahme von Krebserkrankungen aufgrund der geänderten Altersstruktur unserer Bevölkerung, durch neue biologische Therapieverfahren (sogen. „intelligente Moleküle“) und Verfahren wie zum Beispiel die Gentherapie oder Medikamente, die die Blutgefäßbildung in Tumoren verhindern (Antiangiogenese). Mit Hilfe von elektronischer Datenverarbeitung und Telekommunikation einschließlich Internet wird es zu einer engeren Verzahnung der Strukturen innerhalb des Krankenhauses und vor allem mit Kooperationspartnern außerhalb kommen.