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Urogynäkologische Sprechstunde

Die Untersuchung

Zur weiteren Diagnosemöglichkeit wird anschließend eine urodynamische Messung durchgeführt, gelegentlich auch eine Blasenspiegelung. Bei sehr häufigem Harndrang bitten wir Sie, ein Miktionsprotokoll zu führen, d.h. ein Tagebuch, in dem Sie die Zeiten, die Trink- und Urinmengen und ungewollten Urinverlust dokumentieren.

Formen der Urininkontinenz und Behandlungsmöglichkeiten

Belastungsinkontinenz

Die Ursache ist eine Schwäche des Harnröhrenschließmuskels oder übermäßige Beweglichkeit der Harnröhre durch Erschlaffung der Beckenbodenmuskulatur. Dies kann durch schwere Geburten, Operationen, Übergewicht oder zunehmende Gewebsschwäche im Alter auftreten.

Therapie

Beckenbodentraining: Stärkung der Muskulatur des Beckenbodens durch gezielte Übungen, oft in Verbindung mit einem Biofeedback-Gerät (Sichtbarmachung der Beckenbodenanspannung) oder mithilfe von Vaginalkegel. Dies ist vor allem bei jüngeren Frauen und leichten Inkontinenzformen sinnvoll.

Elektrostimulation: Bei einer schlechten Wahrnehmung des Beckenbodens oder einer Reizblase wird die Beckenbodenmuskulatur durch Elektroimpulse mithilfe einer Scheidensonde stimuliert. Somit lernt die Patientin ihren Beckenboden aktiv anzuspannen.

Lokale Hormontherapie: Durch eine Therapie mit zweimal wöchentlich vaginal applizierten Östrogenen wird das Gewebe um die Harnröhre besser durchblutet und die Scheidenverhältnisse werden verbessert.

Pessare: Es gibt heute verschiedene Pessare, die zur konservativen Behandlung unterschiedlicher Beschwerden eingesetzt werden. Ringpessare (Urethrapessare) helfen bei Belastungsinkontinenz oder Reizblase, sie können selber eingelegt und mithilfe eines Fadens herausgezogen werden. Würfel- oder Schalenpessare eignen sich sowohl  bei Senkungsbeschwerden von Gebärmutter, Blase oder Darm als auch bei Blasenentleerungsstörungen mit erhöhten Restharnmengen aufgrund eines Blasenvorfalls. Kommt es nur bei sportlicher Betätigung zum Urinverlust, sind bis zur Verbesserung der Beckenbodenfunktion auch Einmalvaginaltampons aus Schaumstoff anwendbar.

Medikamente: Vor Durchführung einer Operation bei Belastungsinkontinenz ist ein Therapieversuch mit Duloxetin (Yentreve) sinnvoll. Mit diesem Medikament wird die Kraft des Harnröhrenschließmuskels verbessert.

Operativer Eingriff: Wenn alle obengenannten Möglichkeiten nicht zum Erfolg führen, ist eine Operation sinnvoll. Die Erfolgsraten liegen je nach Voroperationen bei 65-90%. Als minimal invasive Eingriffe haben sich seit 1996 unterschiedliche Schlingenoperationen (TVT = tension free vaginal tape, TOT) durchgesetzt. Dabei legt der Operateur unter örtlicher Betäubung oder in einer Kurznarkose ein spezielles Band spannungsfrei unter die Harnröhre. Dieses Band wirkt wie eine Hängematte und bewirkt, dass sich die Harnröhre unter Belastung nicht mehr senkt und kein Harnverlust auftritt. Wird aus anderen Gründen ein Bauchschnitt durchgeführt, kann bei Belastungsinkontinenz auch eine Abdominale Kolposuspension nach Burch erfolgen.

Dranginkontinenz

Betroffene bekommen plötzlich einen starken Harndrang, der oft zu ungewolltem Urinverlust führt. Mehrmals pro Stunde wird eine Toilette aufgesucht, und wenn der Weg zu weit ist, geht vorher ungewollt Urin verloren. Dadurch kommt es zu einer erheblichen Einschränkung des sozialen Lebens. Die Ursache ist eine überaktive Blasenmuskulatur, die sich ständig zusammenzieht bei auch nur geringer Blasenfüllung. Die Dranginkontinenz mit häufigem Harndrang und kleinen Urinmengen ist bei älteren Menschen sehr häufig. Die Ursache können chronische Blasen- und Schleimhautentzündungen, Hormonmangel, zu kleine Trinkmengen und zu frühe Blasenentleerung, als neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Bandscheibenvorfälle oder ein Schlaganfall sein. Bei Männern kann auch eine vergrößerte Prostata eine Dranginkontinenz verursachen.

Therapie

Trink- und Blasentraining: Durch intensives Training wird das Fassungsvolumen der Blase erhöht und die Blasenfunktion verbessert. Wichtig ist eine tägliche Trinkmenge von 1500-2000ml möglichst am Morgen und Mittag, um den nächtlichen Harndrang zu verringern. Mithilfe eines Miktionskalenders mit Dokumentation der Trink- und Miktionsmengen wird der Trainingserfolg sichtbar.

Medikamente: Bei Hormonmangelbeschwerden sollte eine lokale Östrogentherapie zweimal wöchentlich durchgeführt werden. Zusätzlich können blasenentspannende Medikamente, sogenannte Anticholinergika, eingenommen werden. Diese können als Tabletten (Solifenacin = Vesikur, Darifenacin = Emselex, Toltoidine = Detrusitol usw.) oder in Form eines Pflasters (Oxybutinin = Kentera) angewandt werden. Die Überaktivität der Blasenmuskulatur wird gedämpft und das Blasenvolumen erhöht.

Elektrostimulation: Durch eine in die Scheide eingeführte Sonde werden schwache Stromimpulse freigesetzt, was zu einer Desensibilisierung der überaktiven Blasenmuskulatur führt.

Injektionsbehandlung: Bei schweren Formen der Dranginkontinenz wird im Rahmen einer Blasenspiegelung Botulinumtoxin in die Blasenwandmuskulatur eingespritzt. Somit kommt es zu einer vorübergehenden Lähmung bzw. Entspannung der Blasenmuskulatur. Bei sehr extremen Formen kann in seltenen Fällen auch eine Operation mit Denervierung der Blase mit oder ohne Anlage eines elektrischen Blasenschrittmachers notwendig sein.

Mischinkontinenz

Treten die Symptome einer Belastungs- und einer Dranginkontinenz gemeinsam auf, dann spricht man von einer Mischinkontinenz. Meistens ist eine der beiden Formen stärker ausgeprägt. Zunächst wird die Störung therapiert, die mit konservativen Möglichkeiten behandelt werden kann.

Überlaufinkontinenz

Durch ein mechanisches Hindernis kann sich die Blase nicht richtig entleeren. Bei Frauen führt oft eine Senkung von Blase, Scheide und Gebärmutter zu einer Verlagerung der Blase . Bei Männern führt meist eine vergrößerte Prostata zur Überlaufblase. Dabei kommt es zu Schwierigkeiten beim Wasserlassen, Harnträufeln, häufigem Wasserlassen und unvollständigen Blasenentleerung mit gehäuften Blasenentzündungen.

Reflexinkontinenz

Die Blase entleert sich unkontrolliert ohne Harndrang, da die Verschlussfunktion der Harnröhre nicht mehr durch Signale aus dem Gehirn gesteuert wird. Dies ist die Folge von Nervenkrankheiten oder Verletzungen der Wirbelsäule mit Querschnittslähmung.

Extraurethrale Inkontinenz

Bei Harnwegsfisteln kommt es zum Harnträufeln ohne körperliche Belastung, auch im Liegen. Fisteln sind kleine Gänge, die die Blase mit der Scheide oder dem Darm verbinden. Sie können auftreten nach Bestrahlung, Voroperationen, schweren Geburtsverletzungen oder Tumoren im kleinen Becken.

Operatives Spektrum bei Gebärmutter- und/oder Scheidensenkung

In Abhängigkeit von Organsenkung, Alter, weiteren Beschwerden, wie z.B. einer zusätzlichen Stuhlinkontinenz, oder Voroperationen bieten wir unterschiedliche Operationsmethoden an. Dazu gehören die gängigen vaginalen Operationen mit vaginaler Entfernung der Gebärmutter und Scheidenfixation mit Beckenbodenrekonstruktion, die abdominale Gebärmutterentfernung mit Scheidenfixation am Steißbein sowie aktuelle vaginale Operationsmethoden mit Netzeinlagen im Bereich der vorderen oder hinteren Scheide zur Verstärkung des eigenen Gewebes bei erneutem Vorfall.

Wir empfehlen eine ambulante Vorstellung in der Sprechstunde zur Abklärung und Planung der notwendigen Therapie bzw. Operation.

 

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