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Die Krebsfrüherkennung

Krebserkrankungen am Gebärmutterhals, in der Scheide und an der Haut der äußeren Scheiden-Dammregion entwickeln sich nahezu ausnahmslos über einen mehrjährigen Zeitraum aus sogenannten Krebs-Vorstufen (Dysplasien). Die meisten dieser Vorstufen bilden sich von ganz alleine zurück. Das Ziel der Krebsfrüherkennung am Gebärmutterhals ist es, jene Vorstufen zu entdecken, die sich nicht zurückbilden und im Verlauf als höhergradig eingestuft werden. Als wesentliche Ursache von Veränderungen des Gebärmutterhalses gilt eine Infektion mit bestimmten Papillomviren (HPV).

Der überwiegend mehrjährige Entwicklungsprozess einer Krebserkrankung bietet durch regelmäßige Früherkennungs-Untersuchungen im Abstand von einem Jahr beste Voraussetzungen, ihre Vorstufen frühzeitig zu erkennen und vollständig zu heilen. Krebserkrankungen an den unteren Genitalorganen der Frau mit Todesfolge sind damit weitestgehend vermeidbar. Dennoch versterben auch gegenwärtig noch in Deutschland jährlich mehr als 2000 zum Teil sehr junge Frauen an fortgeschrittenem Gebärmutterhalskrebs.

Die Krebsvorsorgeuntersuchung ist einschließlich einer notwendigen Gewebeprobenentnahme schmerzfrei und dauert für die Patientin nur wenige Minuten. Eine jährliche Krebsvorsorgeuntersuchung auf der Grundlage eines Zelltestes ist Bestandteil der Leistung aller Krankenkassen.

Das Abstrich-Ergebnis

Bei Ihrer Untersuchung wurden mit Hilfe eines Watteträgers, eines Spatels oder einer Bürste Zellen von der Oberfläche des Gebärmutterhalses abgestrichen, die in einem Labor gefärbt und unter einem Mikroskop beurteilt wurden. Die Beurteilung dieses sogenannten Papanicolaou-Testes erfolgt in 5 Stufen:

Ein Abstrich-Ergebnis stellt also lediglich eine Verdachtsdiagnose dar, die endgültige Diagnose kann - wie bereits beschrieben - erst mit Hilfe von Kolposkopie, Biopsie und Histologie gestellt werden.

Münchner Nomenklatur III

0 Unzureichendes Materia
-> Abstrichwiederholung Unsatisfactory for evaluation

I Unauffällige und unverdächtige Befunde  Abstrich im Vorsorgeintervall NILM

II-a Unauffällige Befunde bei auff älliger Anamnese NILM
-> ggf. zytologische Kontrolle wegen auffälliger Anamnese (zytologischer/histologischer/kolposkopischer/klinischer Befund)

II Befunde mit eingeschränkt protektivem Wert

II-p Plattenepithelzellen mit geringergradigen Kernveränderungen als bei CIN 1, ASC-US auch mit koilozytärem Zytoplasma/Parakeratose
-> ggf. zytologische Kontrolle unter Berücksichtigung von Anamnese und klinischem Befund (evtl. nach Entzündungsbehandlung und/oder hormoneller Aufhellung; in besonderen Fällen additive Methoden und/oder Kolposkopie)

II-g Zervikale Drüsenzellen mit Anomalien, die über das Spektrum reaktiver AGC endocervical NOS Veränderungen hinausreichen
-> ggf. zytologische Kontrolle in Abhängigkeit von Anamnese und klinischem Befund (evtl. nach Entzündungsbehandlung; in besonderen Fällen additive Methoden und/oder Kolposkopie)

II-e Endometriumzellen bei Frauen > 40. Lebensjahr in der zweiten Zyklushälfte Endometrial cells
-> Klinische Kontrolle unter Berücksichtigung von Anamnese und klinischem Befund

III Unklare bzw. zweifelhafte Befunde

III-p CIN 2/CIN 3/Plattenepithelkarzinom nicht auszuschließen ASC-H
-> Diff erentialkolposkopie, ggf. additive Methoden, evtl. kurzfristige zytologische Kontrolle nach Entzündungsbehandlung und/oder hormoneller Aufhellung

III-g Ausgeprägte Atypien des Drüsenepithels, Adenocarcinoma in situ/invasives AGC endocervical favor neoplastic Adenokarzinom nicht auszuschließen
-> Diff erentialkolposkopie, ggf. additive Methoden

III-e Abnorme endometriale Zellen (insbesondere postmenopausal) AGC endometrial
-> Weiterführende klinische Diagnostik, ggf. mit histologischer Klärung

III-x Zweifelhafte Drüsenzellen ungewissen Ursprungs AGC favor neoplastic
-> Weiterführende Diagnostik (zum Beispiel fraktionierte Abrasio; ggf. additive Methoden/Diff erentialkolposkopie)

IIID Dysplasiebefunde mit größerer Regressionsneigung

IIID1 Zellbild einer leichten Dysplasie analog CIN 1 LSIL
-> Zytologische Kontrolle in sechs Monaten, bei Persistenz > ein Jahr: ggf. additive Methoden/Differentialkolposkopie

IIID2 Zellbild einer mäßigen Dysplasie analog CIN 2 HSIL
-> Zytologische Kontrolle in drei Monaten, bei Persistenz > sechs Monate: Diff erentialkolposkopie, ggf. additive Methoden

IV Unmittelbare Vorstadien des Zervixkarzinoms
-> Diff erentialkolposkopie und Therapie

IVa-p Zellbild einer schweren Dysplasie/eines Carcinoma in situ analog CIN 3 HSIL IVa-g Zellbild eines Adenocarcinoma in situ AIS

IVb-p Zellbild einer CIN 3, Invasion nicht auszuschließen HSIL with features suspicious for invasion

IVb-g Zellbild eines Adenocarcinoma in situ, Invasion nicht auszuschließen AIS with features suspicious for invasion

V Malignome Weiterführende Diagnostik mit Histologie und Therapie

V-p Plattenepithelkarzinom Squamous cell carcinoma

V-g Endozervikales Adenokarzinom Endocervical adenocarcinoma

V-e Endometriales Adenokarzinom Endometrial adenocarcinoma

V-x Andere Malignome, auch unklaren Ursprungs Other malignant neoplasms

*ggf. zytologische Kontrolle wegen auffälliger Anamnese (zytologischer/histologischer/kolposkopischer/klinischer Befund)

Der HPV-Test

Eine Infektion mit „humanen Papillomaviren“ (HPV) ist häufig und stellt für sich allein keine Gefahrensituation dar. In Deutschland schätzt man die jährliche HPV-Infektionsrate bei Frauen auf ca. 6 Millionen (ca. 14% aller Frauen).

Durchschnittlich 400.000 Frauen (< 1% aller Frauen, < 7% der HPV-infizierten Frauen) erkranken jährlich an einer höhergradigen Krebsvorstufe (Dysplasie 3. Grades oder CIN III) am Gebärmutterhals (Zielgruppe der Krebsfrüherkennung).

Durchschnittlich ca. 8.000 (< 0,02% aller Frauen, < 0,14% der HPV-infizierten Frauen) erkranken pro Jahr an einem Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom).

Somit ist die sehr häufige Infektion mit HPV kein Hinweis auf das Vorliegen einer Vorstufe oder des Gebärmutterhalskrebses an sich. Eine Routineuntersuchung auf HPV im Rahmen der Krebsfrüherkennung scheint daher zur Zeit nicht sehr effektiv und verunsichert betroffene Frauen und behandelnde Ärzte gleichermaßen.

Es gilt jedoch nahezu als gesichert, dass sich ein Gebärmutterhalskrebs ohne eine HPV-Infektion nicht entwickeln kann. Zusätzliche Faktoren können unter Umständen eine Krebsentwicklung begünstigen, das betrifft insbesondere das Vorhandensein einer High-Risk-Virengruppe. Deren Nachweis führt nicht zwangsläufig zur Krebsentstehung, das Vorhandensein dieser Viren-Typen aber ist Voraussetzung dafür, dass ein Gebärmutterhalskrebs überhaupt erst entstehen kann.

 

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