Augenklinik
Keratoplastik
Die Hornhaut schließt die zentrale Augenoberfläche wie ein Uhrglas ab. Sie ist ein Bestandteil der brechenden Medien des Auges. Sie ist verhältnismäßig dünn (ca. 0,5 mm ) und durchsichtig. Verliert sie ihre Klarheit, gelangt nicht mehr ausreichend Licht in das Auge: Der Betroffene büßt sein Sehvermögen ein und kann erblinden. Eine Hornhautverpflanzung ( eine Keratoplastik ) kann ihm das Augenlicht zurückgeben. Die getrübte Hornhaut wird entfernt und durch die gesunde, klare Hornhaut eines Spenders ersetzt.
Eine Trübung der Hornhaut kann viele Ursachen haben. Am häufigsten sind Infektionen, zum Beispiel mit dem Herpesvirus, Verletzungen oder angeborene Erkrankungen. Aber auch extreme Verdünnungen der Hornhaut können eine Transplantation notwendig machen.

- Hornhaut-Ulcus

- Keratokonus
Die bereits 1905 eingeführte Transplantation der Hornhaut ist die erfolgreichste Verpflanzung eines Gewebes beim Menschen. Die fremde Hornhaut ( Spender ) wird vom menschlichen Organismus ( Empfänger ) jahrzehntlang vertragen. Medikamente, die eine Abstoßung verhindern, müssen nur vorübergehend eingenommen werden, in Einzelfällen ist eine langfristige Therapie notwendig. Weltweit haben bislang zehntausende Erblindete das Augenlicht durch eine Verpflanzung einer Hornhaut zurückerhalten. Eine erfolgreiche Transplantation kann den Patienten das Sehvermögen vollständig wiedererlangen lassen. Sein Alltag verändert sich dann schlagartig: Er kann wieder lesen, seinem Beruf nachgehen, ist frei von Schmerzen. Für manche Patienten bedeutet die Transplantation sogar, dass sie zum ersten Mal sehen können. Bei Kindern kann eine Hornhaut-Transplantation zudem verhindern, dass sie durch angeborene Trübungen der Hornhaut erblinden. Denn eine normale Sehschärfe kann sich nur entwickeln, wenn von Geburt an ausreichend Licht in das Auge gelangt. Doch längst nicht allen Patienten, die auf eine Hornhaut warten, kann heute geholfen werden. Denn es stehen bei weitem nicht genug Spender zur Verfügung. Bundesweit warten derzeit etwa 5000 Patienten auf ein Hornhauttransplantat. Sie haben nur eine Chance, wenn mehr Menschen bereit sind, ihre Augenhornhäute nach dem Tod zu spenden.
Was wird bei der Spende beachtet?
Für die Hornhautspende werden nur die dünnen Hornhautscheiben ( ca. 14 Millimeter Durchmesser ) beider Augen verwendet. Die Entnahme wird nur durchgeführt, wenn ein Einverständnis vorliegt. Entweder durch einen Organspendenausweis des Verstorbenen selbst oder durch Zustimmung der nächsten Angehörigen. In jedem Fall werden die Angehörigen oder auf dem Organspendenausweis benannte Person über die beabsichtige Entnahme informiert. Nur erfahrene Augenärzte entnehmen die Hornhaut. Die Entnahme ist äußerlich nicht sichtbar, der Gesichtsausdruck bleibt dadurch unverändert, die Augenlider werden geschlossen. Die Anonymität des Spenders und des Empfängers bleibt gewahrt. Für die Angehörige entstehen keine Kosten. Der normale Ablauf der Bestattung wird durch die Entnahme nicht beeinnträchtigt.
Was muss man tun?
Die Bereitschaft zur Spende sollte mit der Familie besprochen werden. Die Angehörigen sind dadurch in der Lage, dem Arzt die Entscheidung des Verstorbenen mitzuteilen. Wer Organe spenden möchte, sollte eine „ Erklärung zur Organspende „ mit sich führen. Auf ihr kann vermerkt werden, welche Organe und Gewebe nach dem Tod entnommen werden dürfen. Diese Erklärung des Arbeitskreises Organspende gilt für alle verpflanzbaren Organe und Gewebe. Eine Registrierung möglicher Organspender findet nicht statt, deshalb sollte die Erklärung stets den Personalpapieren beiliegen. Solche Organspenderausweise können angefordet werden in Transplantationszentren, bei Krankenkassen, Ärzten.
Jeder Verstorbene ist ein möglicher Hornhaut-Spender. Das Alter spielt dafür keine Rolle. Auch Brillen- oder Kontaktlinsenträger sowie Menschen, die an Augenkrankheiten leiden oder gar operiert wurden, kommen grundsätzlich als Spender in Betracht. Ob eine gespendete Hornhaut verwendet werden kann, hängt letztlich von ihrer Beschaffenheit ab, die vor ihrer Verpflanzung unter dem Mikroskop geprüft wird. Infektionen des Spenders können zum Ausschluß führen. Hornhäute von Verstorbenen, die mit dem Erreger von AIDS, Hepatitis B oder C, Syphilis u.a. infiziert waren, werden nicht verpflanzt. Menschen, die einem Krebsleiden erlegen sind, kommen dagegen durchaus als Spender in Betracht.
Nach dem 1997 verabschiedeten Transplantationsgesetz ist es nunmehr erlaubt, bei Einwilligungen des Verstorbenen zu Lebzeiten oder seiner Angehörigen Gewebe ( Hornhaut ) oder sogar Organe ( Niere, Herz, Leber, Lunge ) eines Verstorbenen zu entnehmen. Trotzdem haben wir in Deutschland ein immer noch zu geringes Hornhautspenderaufkommen. An unserer Klinik warten zu Zeit ca. 20 – in Deutschland mehrere Tausend Patienten sehnlichst auf eine Hornhautspende.
Die Hornhaut wird unter dem Mikroskop untersucht und nach bestimmten Kriterien beurteilt. Dabei gilt beispielweise die Zelldichte auf der Hornhautrückseite ( des Endothels ) als ein wesentliches Qualitätsmerkmal. Gleichzeitig schließen mikrobiologische Tests und Untersuchungen des Spenderblutes aus, dass Krankheiten auf den Empfänger übertragen werden.
Nach der sogenannten „ Erstbefundung „ wird die Hornhaut in eine Nährlösung eingelegt. Sie wird „ kultiviert „: Die Zellen der Hornhaut können so weiterleben. Das Medium, in dem die Hornhaut schwimmt, ist einerseits eine Nährlösung, welche das Gewebe weiterversorgt, anderseits enthält die Lösung aber auch antibiotische Stoffe, um das Transplantat frei von infektiösen Bakterien zu halten.
Pro Jahr werden in unserer Klinik durchschnittlich 60 Hornhauttransplantationen ( Keratoplastiken ) durchgeführt. In Deutschland sind es jährlich Drei bis Viertausend. Der Bedarf ist damit aber nicht annähernd gedeckt. Er ist mindestens doppelt so hoch. Ursache für den Mangel an Transplantaten ist die fehlende Aufklärung der Bevölkerung. Viele wissen gar nicht, dass es die Möglichkeit einer Hornhautspende gibt. Bei den Aufklärungsaktionen über Organspenden werden die Augen oft vergessen. Anderseits fällt in den Gesprächen mit den Angehörigen von Verstorbenen immer wieder die hohe Zustimmung zur Hornhautspende auf. Wenn man den Betroffenen eindeutig erklärt, worum es geht, stimmen sie der Entnahme der Augen oftmals bereitwillig zu.
Die Operation
Mit einem sogenannten Trepan, das ist ein Rundmesser, wird die erkrankte Hornhaut ausgeschnitten. In die entstandene runde Lücke wird die klare, gesunde Hornhaut eingenäht. Das passiert unter dem Mikroskop mit entsprechender Vergrößerung. Es gibt heute sehr dünnes Nahtmaterial, mit der die neue Hornhaut befestigt wird. Sie kann dann in Ruhe einheilen. Bei einem geübten Operateur dauert die Operation weniger als eine Stunde. Die Operation wird üblicherweise in Vollnarkose durchgeführt. In der Regel haben die Patienten nach der Operation keine oder nur geringe Schmerzen.

- Transplantierte Hornhaut Einzelnähten

- Transplantierte Hornhaut mit fortlaufender Nahttechnik
Die Operation wird stationär durchgeführt, damit eine entsprechende Nachsorge garantiert ist. Die Dauer des Klinikaufenthaltes beträgt in der Regel 7-10 Tage, bei Heilstörungen etwas länger. Anschließend kann ein niedergelassener Augenarzt die Nachsorge übernehmen.
Gewöhnlich werden die Fäden nach zwölf Monaten gezogen. Wie bereits gesagt wurde, enthält die menschliche Hornhaut keine Gefäße. Da die zur Heilung notwendigen Substanzen nicht auf dem Blutweg herantransportiert werden, dauert der Prozeß entsprechend lange.
Bei unkomplizierter Ausgangslage, also wenn keine Entzündungen, Gafäßeinsprossungen in die Hornhaut u.s.w. vorhanden waren, liegt die Erfolgsrate bei etwa 95%, bei komplizierten Voraussetzungen, wobei diese Fälle nicht die Regel darstellen, stehen die Chancen etwa 60 zu 40. Eine Verallgemeinerung lässt sich hier aber nicht treffen. Es lässt sich also nicht ausschließen, dass eine Transplantation langfristig keinen Erfolg hat und die neue Hornhaut vom Körper nicht angenommen wird. Es gibt Fälle, wo eine erneute Keratoplastik ( Re- Keratoplastik ) erforderlich ist. In ganz seltenen Fällen muss die Hornhaut drei oder sogar vier Mal retransplantiert werden.
Die Hornhauttransplantationen und die Hornhautentnahmen werden in Zusammenarbeit mit der Hornhautbank München (<cite>www.hornhautbank-muenchen.de</cite>) durchgeführt, um auch den neuesten gesetzlichen Vorschriften gerecht zu werden.

- Eingewachsene Hornhaut (Fäden werden ca. 1 Jahr nach der Operation entfernt)
