Was versteht man unter einer „Blepharoplastik“?
Chirurgischer Eingriff zur Reduktion und/oder Umverteilung von überschüssigem Weichteilgewebe (Haut-, Muskel-, Fettgewebe) bei Dermatochalasis oder Blepharochalasis der Augenlider. Exzidiert werden in Abhängigkeit der zu Grunde liegenden Veränderungen Teile der Lidhaut, des Musculus orbicularis und des subkutanen oder orbitalen Fettgewebes. Letzteres ist nur möglich nach Eröffnung des orbitalen Septums. Eine Blepharoplastik kann sowohl am Ober- als auch am Unterlid durchgeführt werden.
Blepharoplastiken können in Lokalanästhesie oder in Allgemeinnarkose durchgeführt werden. Der Eingriff birgt eine Vielzahl möglicher Komplikationen, von denen eine durch Infektion oder durch eine intraorbitale Blutung, insbesondere nach Resektion von orbitalem Fettgewebe, hervorgerufene Minderung des Sehvermögens die schwerwiegendste ist.
Was ist eine Dermatochalasis?
Unter einer Dermatochalasis versteht man eine meist mit steigendem Lebensalter zunehmende Erschlaffung der Lidhaut und der subkutanen Gewebe von Ober- und Unterlidern, die nicht selten familiär gehäuft auftritt. Unterschieden werden atrophische von hypertrophen Formen. Bei der atrophischen Form ist die Haut verdünnt und atrophisch ohne Subkutangewebe, wohingegen bei der hypertrophen Form überschüssige Haut- und Subkutangewebe normal oder verdickt sind, die Lider erscheinen prominent. Neben einem Überschuß der Lidhaut findet man häufig auch ein Hervortreten orbitalen Fettgewebes (Orbitafettprolaps, Steatoblepharon) bei relativer Insuffizienz des Septum orbitale und damit eine Schwellung der Lider.
Auch eine Hypertrophie des M. orbicularis kann zu Lidschwellung im Sinne eines „baggy eyelid“ führen . Liegen die Veränderungen im Oberlid, können sie zu einer Verkleinerung der Lidspalte durch über die Lidkante überhängendes Gewebe führen; man spricht dann auch von Pseudo-Ptosis. Massive Schwellungen im Unterlid können ebenfalls zu einer Beeinträchtigung des Gesichtsfeldes, vor allem im Abblick, führen.
Ursachen
Konstitutionell, involutiv (mit zunehmendem Lebensalter), post-traumatisch, im Rahmen von Grunderkrankungen (z.B. endokrine Orbitopathie, Rosazea, u.a.)
Klinik
Überschüssige und erschlaffte Lidhaut des Oberlids bedeckt die Lidfurche und kann den Lidrand und die Zilien vollständig überragen und damit die Lidöffnung verkleinern, verdickte Haut verursacht sogar eine Schwellung. Ein Prolaps von orbitalem Fett, im medialen Lidwinkel meist stärker ausgeprägt, kann ebenfalls zu ausgeprägten Schwellungen führen. Im Bereich der aufeinander liegenden Hautfalten kann es durch Schweißsekretion und abgeschilfertes Hautepithel zu einer Hautmazeration mit oberflächlich entzündlicher Schwellung kommen. Dies ist verbunden mit subjektivem Wundgefühl und Rötung der Haut. Eine vermeintliche Schwellung entsteht zudem nicht selten durch ein Tiefertreten der Augenbrauen (Brauenptosis) mit einem Absinken des unter den Brauen gelegenen Fettpolsters. Dies führt dann durch einen Stauchungseffekt zu einer zusätzlichen relativen Gewebevermehrung im Oberlid.
Im Unterlid kann ebenfalls ein Hautüberschuß von einem Orbitafettprolaps unterschieden werden. Subjektiv relativ stark störende Veränderungen sind meist beidseitig auftretende Unterlidschwellungen durch subkutane Flüssigkeitseinlagerungen, die zur Ausbildung sogenannter „Tränensäcke“ führen. Diese im angloamerikanischen Schrifttum als „festoon“ bezeichneten Veränderungen sind manchmal schwierig von Lymphödemen zu unterscheiden, lassen sich aber gut von einem orbitalen Fettprolaps abgrenzen.
Von der Dermatochalasis zu unterscheiden sind die Blepharochalasis und die Blepharoptosis
Blepharochalasis
Seltene, idiopathische, rezidivierend auftretende Schwellung der Oberlider, wohl verursacht durch ein idiopathisches Angioödem des subkutanen Gewebes. Erstmals durch Fuchs 1886 beschrieben [Fuchs, 1896].
Klinik
Rezidivierende Episoden von plötzlich auftretenden Oberlidschwellungen eines oder mehrer Lider, beginnend vom Kindes- bis zum mittleren Lebensalter. Frauen sind häufiger betroffen als Männer (3:1) . Dauer der Schwellungen Tage bis Wochen. Im Lauf der Jahre kommt es zu pergamentartiger Verdünnung der Oberlidhaut, Dermatochalasis und erworbener Blepharoptosis.
Blepharoptosis
Krankhaftes Herabhängen des gesamten Oberlids mit entsprechend verengter Lidspalte aus unterschiedlichsten Ursachen. Häufige Ursachen sind involutive Veränderungen mit einer Überdehnung und Erschlaffung der tieferen Lidgewebe (insbesondere der sog. Levatoraponeurose) infolge zunehmenden Lebensalters oder langjährigen Tragens von Kontaktlinsen, angeborene Formen („kongenitale“ Ptosis) mit einer Dystrophie des Lidhebermuskels (M. levator palpebrae) oder relativ seltenerer Formen myogener oder neurogener Genese.
Indikation zur Operation der Oberlider (Blepharoplastik)
Wann liegt eine funktionelle OP-Indikation vor (GKV-Leistung)?
Die Gesichtsfelduntersuchung sollte bei entspannter Frontalismuskulatur erfolgen. Bei der Goldmann-Perimetrie wird die Außengrenze der Marke III/4, bei der automatisierten Perimetrie entsprechende Marken zugrundegelegt.